Das Schicksal nimmt seinen Lauf


Bei seinem TV-Auftritt in der Milton Berle-Show am 5. Juni 1956 gab Elvis erstmals Hound Dog zum Besten. Zur Begeisterung vor allem der jungen Zuschauer macht Elvis während eines langsameren Blues-Teils besonders rhythmische Hüft- und Beinbewegungen. 
Es folgte ein nationaler Aufruhr ungeahnten Ausmaßes in den Medien, die The Pelvis von nun an als „Personifikation der die Teenager Amerikas verderbenden Rock-’n’-Roll-Bewegung“ brandmarkte. Die nächste Fernsehshow, die Elvis Presley buchte, war die erst im Juni 1956 neu gegründete Show von Steve Allen, die sich in direkter Konkurrenz zur Nummer eins unter den Shows – der Show von Ed Sullivan – positionieren wollte. Die Steve Allen-Show, in der im nächsten Jahr Jerry Lee Lewis seinen Durchbruch feiern würde, überstieg mit Elvis erstmals die Einschaltquoten von Ed Sullivan. Folgerichtig war Presleys nächste Station die Ed Sullivan Show, in der er laut Sullivan eigentlich nie hätte auftreten sollen – wäre der Entertainer nicht von Steve Allen bezüglich der Einschaltquoten ausgestochen worden.

Am Tag nach seinem gezähmten TV-Auftritt im Frack bei Steve Allen nimmt Elvis den Song Hound Dog im RCA-Studio auf. Nach 31 (!) Versuchen ist er zufrieden. Für Don’t be cruel reichen dem Perfektionisten 28 Durchläufe. Sein Pensum: Nur fünf Songs an zwei Tagen.

Und auch 1957 beherrscht Elvis die Charts. Es regnet förmlich goldene Schallplatten darunter fünf Nr. 1-Hits in einem Jahr: Too much, All shook up, Teddybear, Jailhouse rock und Loving you.


Das Frühjahr 1958 startet für Jerry Lee mit der ersten Auslandstournee, gemeinsam mit Buddy Holly und dem jungen Paul Anka. Zurück in den Staaten ringt der Pianowüstling mit Chuck Berry während Alan Freeds Big Beat-Tour in 46 Städten um die Krone des Rock’n’Roll, die Elvis im März aufgrund seines Wehrdienstes zurückließ. 
Breathless! Doch Jerry Lees starker Hang zu Eheschließungen führt im Juni zum jähen Absturz seiner kometenhaften Karriere. Die 13Jährige Cousine (dritten Grades) und gleichzeitig dritte Ehefrau wird zu seinem Verhängnis und ein Fall für das englische Innenministerium und zudem ein Schlachtfest für die Schlagzeilenschreiber. Nach nur drei von 37 geplanten Auftritten muss der ‚Kinderräuber’ und ‚Babyschänder’ England verlassen und kommt vom Regen in die Traufe: Auch Amerika wendet sich von ihm ab, und seine Platten werden boykottiert. Bezeichnender Weise beschreibt die Rückseite seiner aktuellen Single High school confidential (Filmtitel: Mit Siebzehn am Abgrund) die vorherrschende Situation und den eigenen Gemütszustand: Fools like me.


Nach Baby, let’s playhouse ist für Elvis die letzte Single auf SUN die erfolgreichste. I forgot to remember to forget ist im August 1955 die erste Nr. 1 der nationalen Billboard-Country-Charts; im Juli 1958 ist dieser Song auch die letzte Single von Johnny Cash für SUN-Records. Jerry Lees Versionen werden erst in den 80igern mit seinen gesamten SUN-Aufnahmen veröffentlicht.


Johnny Cash kann nach dem Wechsel zum Major Label Columbia Records weiterhin Erfolge feiern: I got stripes, Five feet high and rising und Don’t take your guns to town. 1959 ist er erstmalig im Ausland auf Tournee – mit Gene Vincent in Australien. Ein Jahr später stößt der ehemalige Carl Perkins-Schlagzeuger W.S. ‚Fluke’ Holland zur Band – fortan die ‚Tennessee Three’. Labelkollege Carl Perkins kann an seinen großen Erfolg Blue suede shoes nicht mehr anknüpfen und ist ab Mitte der 60er und in den 70er Jahren fester Begleitmusiker bei Johnny Cash.

Elvis lernt kurz vor Ende seiner Armeezeit in Friedberg Priscilla Beaulieu kennen, die 14Jährige Stieftochter eines Captains der Air Force. Zurück in Amerika wird Elvis nach einem sagenhaften Empfang seiner Fans von seinem ehemaligen Widersacher Frank Sinatra zu einem Welcome home TV-Special eingeladen. Ein gezähmter Elvis präsentiert sich. Auch musikalisch deutet sich ein Richtungswechsel an. Seine neuen Hits heißen Fever, Are you lonesome tonight und It’s now or never.

Advertisements

Rock’n’Roll wird gefährlich

Boogie-Woogie ist ein Solo-Klavierstil; der mit den rollenden Bässen der linken Hand (pumpin’ piano) den Rhythmus bestimmt. Dabei ist das Tempo im Vergleich zum Blues erheblich höher und erfordert einige technische Fähigkeiten. Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet, spielt Jerry Lee Lewis eifrig Song um Song im SUN Studio Memphis/Tennessee ein. Und auch Jack Clement, der neue Produzent, ist vom Potenzial des egozentrischen Klavierspielers überzeugt. Er schreibt ihm sogar einen Titel: It’ll be me, die A-Seite für seine zweite Single. Doch ein anderer, live-erprobter Titel wird zum Renner. Schon die ersten 
Sekunden deuten an, mit welcher Wucht dieses Lied einschlagen wird. Allerdings wird der Song von einigen Radiostationen boykottiert, weil er zu sexistisch ist: Shake, baby, shake! Dennoch darf Jerry Lee seinen Shakin’-Song im Fernsehen vorstellen. Am 28.7.57 ist es soweit. In der Steve Allen-Show gerät der 21jährige dermaßen in Ekstase, dass sogar der Klavierhocker über die Bühne getreten wird.


Es ist die schockierendste Rock’n’Roll-Darbietung im Fernsehen seit Elvis’ Debüt in der Ed Sullivan-Show und am nächsten Tag Gesprächsthema im ganzen Land. Jerrys neugeborener Sohn wird auf den Namen des Showmasters Steve Allen Lewis getauft.

Wie ein Jahr zuvor Elvis, hat es nun auch Jerry Lee geschafft. Statt der verbrauchten Rhythmen der Erwachsenenwelt bevorzugt die Jugend den spöttischen Ton und die Lebendigkeit des Rock’n’Roll. Der einst schüchterne Südstaatenbursche Elvis wird 1956 zum Idol der Jugend. Elvis hat in jenem Jahr vier No.-1-Hits und ist elfmal im TV zu sehen (Dorsey Stage-Show, Steve Allen-Show, Milton Berle, Ed Sullivan).

Ende des Jahres kommt der erste Elvis-Film in die Kinos: Love me tender (Pulverdampf und heiße Lieder). Schon vor Anlaufen des Films liegen eine Million Single-Bestellungen vor.

Zornig, verletzlich und widerborstig wie seine Frisur, dazu die Hände lässig in den Hosentaschen und die Zigarette im Mundwinkel – so wurde James Dean zum Prototyp des frechen, verlorenen Teenagers, der gegen die Erwachsenenwelt aufbegehrt. Er veränderte den Lebensstil und das Lebensgefühl einer ganzen Generation, weckte Sehnsüchte nach Befreiung aus Anpassung, Benimm, und Scheinheiligkeit. Keine Frage, James Dean war der größte Rebell der Popkultur, wie Elvis oder Marlon Brando (Der Wilde).

Dabei machte ihn ein Bündel von drei Filmen zum Star, sein plötzlicher Unfalltod zur Legende. Innerhalb von nur 18 Monaten hatte er drei Filme – „Jenseits von Eden“, „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ – abgedreht, von denen letztere erst nach Deals Tod am 30. September 1955 Premiere hatten. Studiochef JAck Warner befürchtete schon, dass niemand ins Kino gehen würde, um sich eine Leiche anzusehen. Er irrte gewaltig. Innerhalb weniger Wochen nach der posthumen Uraufführung von „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ entstand ein regelrechter Kult um James Dean, der bis heute anhält.