Elvis has left the building

Elvis has left the building wird das letzte Mal am 26.6.77 beim Konzert in Indianapolis verkündet. Am Tag seines Todes, dem 16. August 1977, will er sich noch auf den Weg zu einer weiteren Tournee machen, die in Portland beginnen soll. Die Welt trauert um den King.

Doch sein Lebenswerk ist unglaublich: Bis zu seinem Tode hat er 500 Millionen Platten verkauft, bis heute sind es fast zwei Milliarden Tonträger. Damit ist er bis heute der kommerziell erfolgreichste Solokünstler aller Zeiten. Er hat die meisten Nr.1-Hits und war insgesamt die längste Zeit als Künstler auf Platz 1 (80 Wochen) der Musikcharts. Er hat die meisten Top 10-Notierungen (38). Über 150 Singles wurden in den Hot 100 gelistet, über 100 LPs werden in den Charts notiert, darunter 82 Gold- und Platin-Ehrungen.
Elvis Presley ist bis heute der einzige Musiker, der Nummer-eins-Hits in den Pop-, Country-, Adult-Contemporary- und Rhythm & Blues-Charts hatte. Elvis ist mit 165 Songs in den amerikanischen Pop-Charts zwischen 1955 und 2008 der unangefochtene Spitzenreiter dieser Chart-Kategorie, gefolgt von James Brown (107) und Ray Charles (91) auf den Plätzen zwei und drei. Er führt bis heute die Billboard-Liste der 500 erfolgreichsten Künstler ab 1955 an. Des Weiteren hält er mit 46 Jahren den Rekord für die längste Zeitspanne zwischen seiner ersten und seiner letzten Top-Albumplatzierung.
Elvis Presley ist nach Billboards-Klassifizierungssystem nicht nur der erfolgreichste Song-, sondern mit deutlichem Abstand vor Frank Sinatra der erfolgreichste Albumkünstler aller Zeiten. Er ist als einziger Künstler in fünf Halls of Fame vertreten: Rock’n’Roll, Rockabilly, Country, Blues und Gospel. Relativ wenig bekannt ist, dass Elvis Presley hinter Bing Crosby und Gene Autry auch der dritt-erfolgreichste Interpret von Weihnachtssongs ist. 1964 war Elvis mit Blue Christmas auf Platz 1. Die RIAA gab 2008 bekannt, dass Elvis´ Christmas Album, eine Zusammenstellung von Weihnachtssongs aus den 1950ern und 1970ern, mit über 10 Mio. Exemplaren das meistverkaufte Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA ist. In den ersten Jahren der CD ist er der Marktführer.

Es gibt über 1000 Tributsongs oder Lieder, die mit Elvis zu tun haben. Keiner verkaufte mehr Videofilme als Elvis. Weltweit gibt es mehr als 2000 Bücher über den King. Er hat die meisten Fanclubs, die meisten Imitatoren (35.000 hauptberuflich allein in den USA). Viele Straßen und Plätze auf der Welt ziert sein Name. Elvis hat jeden Gipfel erklommen, den es zu besteigen gab.

The day the music died


Weitere Köpfe des Rock’n’Roll ereilt das Schicksal: Am 3.2.59 verunglücken Buddy Holly, Ritchie Valens und der Big Bopper – fünf Minuten vor der Landung – bei einem Flugzeugabsturz (the day, the music died); Der King ist einkaserniert in Deutschland, Jerry Lee wird nach dem Englandskandal um seine 13jährige Ehefrau von den Radiostationen boykottiert.


 Chuck Berry wird zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er angeblich eine Minderjährige aus Mexiko nach Amerika geschmuggelt habe.


Der bei der Jugend beliebte DJ Alan Freed wird zum Stellvertreter-Sündenbock und muss sich gar wegen eines Payola-Prozesses verantworten – ein Schauprozess gegen den Rock’n’Roll. Bereits seit den 1920er Jahren wurde mit kleinen Geschenken erreicht, dass bestimmte Lieder im Rundfunk stärker berücksichtigt worden. Um die zahlungskräftigen Teenager zu beeinflussen, erreichte der Vorgang „pay for play“ in den 50ern neue Dimensionen und förderte gleichzeitig neue Künstler (die Bobby-Rocker) zutage, die durch ihren gemäßigten Stil größere Käuferschichten erreichten.


Die Folge: der Rock’n’Roll zeigt sich von der schmusigen Seite. Aus den Wilden werden die Milden. Die ältere Generation atmet wieder auf. Die Zeit des harten, unberechenbaren, gefährlichen Rock’n’Roll ist vorbei.

Die Blütezeit des Rock’n’Roll ist Ende 1958 beendet. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die meisten farbigen Künstler vorübergehend zum Twist oder bereits zum frühen Soul gewechselt. Erste Anzeichen dazu findet man bei Ray Charles, dessen What’d I say im Jahr 1959 Platz 6 der Pop-Charts erreicht. In den ab 1958 erscheinenden Billboard Hot 100, die aus den bestverkauften Singles und den meist gespielten Radiosongs bestehen, wird das Lied ebenfalls notiert. Jerry Lee Lewis nimmt den Song auch auf und erreicht immerhin bei Pop Platz 30 und in den Country & Western-Charts Platz 26.

Die Independent Labels

Größten Anteil am Wachsen des Rock’n’Roll hatten die Independent Record Labels, also die Plattenfirmen, die nicht zu den großen Konzernen wie RCA, Columbia, Capitol, Mercury oder Decca gehörten, z.B. Imperial in Hollywood (Fats Domino, Ricky Nelson), Specialty in Los Angeles (Little Richard, Larry Williams), Atlantic in New York City (Ray Charles), Chess in Chicago (Chuck Berry, Bo Diddley, Muddy Waters).

Die Major Labels agierten sehr vorsichtig. Sie orientierten sich zu sehr an den früheren Erfolgen und wollten diese immer weiter fortschreiben. Doch die Zeiten änderten sich, man konnte den jungen Leuten nicht 15 Jahre lang immer wieder z.B. Perry Como oder Frank Sinatra präsentieren, der ja in seinen früheren Jahren durchaus ein Star für die Teenies in Bobby Socks gewesen war. Erst 1957 interessierten sich auch die großen Major Labels für Rockabilly. Die Independent Labels hatten dagegen das Ohr am Volk, hier vor allem am jungen Volk. Neben den wohl größten Blues-Künstlern Howlin‘ Wolf und Muddy Waters zogen diese kleinen Labels ganz unverwechselbare Stilisten des Rock’n’Roll heran: Chuck Berry und Bo Diddley. (Film: Cadillac records)
Die Chess Brothers, deren jüdische Familie aus Polen gekommen war, schufen in Chicago den Chess-Konzern.


Eine andere Firma aus Los Angeles brachte die wohl heißesten Songs des Rock’n’Roll hervor: Art Rupes SPECIALTY. Wie IMPERIAL orientierte sich dieses Label zum großen Teil an Songs und Sounds aus New Orleans, übrigens nicht nur auf dem Gebiet des Rock’n’Roll, sondern auch im Gospel-Feld. Little Richard, Larry Williams und dessen Cousin Lloyd Price hießen bei dieser Firma die Stars des Rhythm & Blues/Rock’n’Roll. Lloyd Price aus New Orleans schaffte 1952 mit Lawdy Miss Clawdy (später von Elvis gecovert) eine R&B-No. 1. Die größten Verkäufe gelangen Art Rupe bei SPECIALTY allerdings mit dem Wunderwesen aus Macon/Georgia, Little Richard (*5.12.32).

Sein erster großer Hiterfolg sollte auch zu einer Erkennungsmelodie des Rock’n’Roll werden: Tutti Frutti. Ende 1955 erreichte der Urschrei A-wop-bop-a-loo-bop-a-lop-bam-boom Platz 2 der schwarzen Hitparade, in den Pop-Charts allerdings nur auf Platz 21. Allein zwischen 1956 und 1959 war Little Richard 16 Mal in den Top 100 der Pop-Charts vertreten, darunter viermal in den Top 20 (Long tall Sally, Slippin’ and slidin’, Rip it up, Good golly Miss Molly). 
In den Rhythm & Blues- Charts hatte er noch größere Erfolge und die meisten Nr. 1-Platzierungen. Und seine Hits wurden am laufenden Band gecovert, z.B. Tutti frutti von Elvis oder Peter Kraus (1. Single), Long tall Sally von Jerry Lee Lewis und später von Carl Perkins, Rip it up von Bill Haley und Buddy Holly oder Lucille von den Everly Brothers und später von den Beatles.

Ebenso macht sich Pat Boone als weißer, etablierter Künstler das Aufkommen der neuen Musikrichtung zunutze und covert mehrere Titel von Little Richard: Tutti Frutti + Long tall Sally (1956) oder Ain’t that a shame (1955) von Fats Domino. Ende 1956 sind seine weichgespülten Interpretationen für den weißen Markt sogar erfolgreicher als die Originalversionen. Der blitzsaubere Möchtegern-Rock’n‘Roller entschärft mit seinen verwässerten Versionen ursprüngliche Rhythm & Blues-Hits und frühe Rock’n’Roll-Klassiker. DJ Pionier Alan Freed findet diese blassen Kopien so übel, dass er sich strikt weigert, auch nur eine Platte von Pat Boone in seiner Radiosendung zu spielen.


Gleichermaßen covert Elvis auf seinen ersten beiden Platten viele frühe Rhythm & Blues-Titel (Hound dog – Big Mama Thornton 1952, Lawdy Miss Clawdy – Lloyd Price 1952) oder aktuelle Rock’n’Roll-Hits (Shake, rattle & roll, Long tall Sally, Blueberry Hill). Allerdings verhelfen Boone und Presley durch ihre Cover den Originalkünstlern zu größerer Popularität und somit auch zum Durchbruch. Wie kein anderer repräsentiert Little Richard die Schnittstelle zwischen Rock’n’Roll und Rhythm & Blues. War der Rock’n’Roll zu Beginn noch schwarz, wurde er später schwarz/weiß und zum Ende des Rock’n’Roll-Booms fast ausschließlich weiß.


Ein ähnliches Schicksal wie Little Richard ist auch Chuck Berry als schwarzem Künstler beschieden, der im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen kann, dass andere mit seinen Songs viel Geld verdienten. Wie Fats Domino ist auch Chuck Berry weit über die 50er hinaus eine der größten und prägendsten Leitfiguren des Rock’n’Roll. Teenagerhymnen wie Roll over Beethoven, Sweet little sixteen und Johnny B. Goode werden zurecht zu den Standardwerken des Rock gezählt.