I wish I was in Dixie

Wenn man Rock’n’Roll geografisch betrachtet, landet man unweigerlich in den Südstaaten:

New Orleans war die Hauptstadt des Jazz, der Blechbläser.
Nashville wurde Ende der 40er das Country-Mekka; bedingt durch die Grand Ol’ Opry mit der größten Radio-Liveshow der Südstaaten.

Memphis war das Zentrum des Rhythm’n’Blues und wurde Anfang der 50er zur Rock’n’Roll-Hochburg. Und wenn man noch genauer hinschaut, findet man auch die Wiege des Rock’n’Roll…

…in der Union Avenue 706. Das legendäre SUN-Studio, Memphis Tennessee, wurde 1952 von Sam Phillips (*5.1.23 – 30.7.03) gegründet.
Ursprünglich als Memphis recording service gestartet, ebnete dieses kleine Tonstudio mit dem markanten Slapback-Echo dem Rhythm & Blues bzw. dem Rock ’n’ Roll den Weg. 


Sam Phillips, der Inhaber, hatte mehrere schwarze Künstler unter Vertrag und war u.a. Produzent von Ike Turner, Rufus Thomas, B.B. King und Big Joe Turner. Als der schwarze Rhythm & Blues allerdings mit der weißen Countrymusik verschmolz, wurde SUN zu einem wesentlichen Katalysator bei der Entstehung des weißen Rock’n’Roll. Es wurde zum künstlerischen Zentrum einer neuen Form von weißem „Rebel Rock“, den man Rockabilly taufte, eine explosive Mischung aus Blues und Honky Tonk-Country. Im Studio konzentrierte sich Sam Phillips in erster Linie darauf, den richtigen Moment für eine Aufnahme zu erfassen, ohne in den kreativen Prozess direkt einzugreifen. Schließlich ging es nicht darum, eine im technischen Sinne perfekt arrangierte Aufnahme vom Blatt zu spielen, sondern eine möglichst individuelle, spontan entstandene Aufnahme zu kreieren, die durch „perfect imperfection“ (perfekte Unvollkommenheit, Zitat Sam Philipps) vor allem die Emotion eines Songs bestmöglich transportierte. Es war eine wilde Musik, gesungen von weißen Countryboys, mit aggressiver Leidenschaft, die bewiesen, dass auch Hillbillys den Blues mit Beat spielen können.

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Hank Williams – Vater der Countrymusik

Der Lovesick blues boy war der größte Name der Honky Tonk-Szene (*17.9.23 – 1.1.53). Sein Name stand für Feiern, Frauen, Vollgas. Er hatte 1950 seine erste No. 1 mit dem Titel Long gone lonesome blues. Die nächste No. 1, Hey good lookin’, folgte bereits 1951. Der bekannteste Titel von Hank Williams erreichte die Chartspitzenposition im April 1952: Jambalaya. Kurz darauf starb er in der Silvesternacht 1952 in den Bergen Virginias auf dem Weg zu seinem nächsten Konzert. Sein früher Tod nach einem Leben voll Alkohol- und Drogenexzessen (Schmerzmittel) besiegelte ein Schicksal, das bald schon als typisch für Rockstars gelten sollte.

Hank Williams nahm in seinen 29 Lebensjahren 66 Songs auf, davon waren 41 Lieder in den Charts. Unzählige Künstler coverten seine Songs: Elvis, Bill Haley, Jerry Lee Lewis, Gene Vincent, die Everly Brothers, aber auch schwarze Interpreten wie Fats Domino, Bo Diddley, Louis Armstrong, Little Richard oder Ray Charles und Pop-Künstler wie Pat Boone, Dean Martin und natürlich Country-Interpreten wie Johnny Cash, Marty Stuart, Garth Brooks oder Dwight Yoakam. Selbst Künstler des neuen Jahrtausends wie Wet Wet Wet, Red Hot Chilli Peppers und Andy Lee interpretieren die Songs von Hank Williams.


„Aufrichtigkeit macht unsere Musik so erfolgreich. Ein Hillbilly singt ehrlicher als die meisten Entertainer, denn er ist unter härteren Umständen aufgewachsen. Man muss eine ganze Menge Maultiermist gerochen haben, bevor man singen kann wie ein Hillbilly!“