Außer Rand und Band

War der Rock’n’Roll zu Beginn noch schwarz, wurde er nun schwarz/weiß, zum Ende des Rock’n’Roll-Booms fast ausschließlich weiß. Wichtig für die langsame, aber stetige Entwicklung des Rock’n’Roll waren Radio-Disc-Jockeys wie Dewey Phillips in Memphis (WHBQ) und Alan Freed in Cleveland, Ohio (WJW).

Diese Disc-Jockeys erweisen sich als erfrischend, direkt und hervorragend geeignet, junge Menschen, schwarz oder weiß, anzusprechen. Alan Freed geht sogar noch einen Schritt weiter und präsentiert die Musik live – mit schwarzen Interpreten, zu denen – oh Graus – mehr weiße als schwarze Besucher kommen, darunter viele künftige Künstler, die später die R&B-Songs erneut zu Hits führen. Ab 1956 dreht der beliebte DJ sogar Rock’n’Roll-Filme wie „Außer Rand und Band“ (Teil 1 und 2) oder „Mr. Rock’n’Roll“. Das weiße Establishment schaut argwöhnisch darauf, dass immer mehr weiße junge Leute der schwarzen Musik folgen, denn jedes Aufweichen der Rassenschranken scheint ihm gefährlich. Die Radiostationen haben Anfang der 50er fast ausschließlich weiße Besitzer, die sich aber um Rassenschranken und Politik wenig scheren. Ihnen kommt es vor allem darauf an, Werbezeit zu verkaufen. Und mit der steigenden Kaufkraft der Teenager und dem Vordringen der schwarzen Musik, mal Rhythm & Blues genannt, mal Rock’n’Roll, wäre es dumm, auf dieses Publikum zu verzichten. Es gibt den Spruch „Grün schlägt weiß“. Das bedeutet, dass der Dollar, dessen Banknoten ja grün sind, sich um die Rassenfrage nicht kümmert.

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Wie kam der Rock zum Roll?

1954
Der Rock’n’Roll gibt ein lärmendes Debüt: Shake, rattle & roll ist der erste nationale Rock’n’Roll-Hit für Bill Haley & his Comets. Kurz zuvor erscheint Rock around the clock, wobei dieser Song seinen kometenhaften Aufstieg erst 1955 erlebt. Im Sommer nimmt Elvis seine 1. Single auf.

1955
Chuck Berry (Maybellene), Little Richard (Tutti frutti), Carl Perkins (Turn around) und Johnny Cash (Cry, cry, cry) bringen ihre ersten Singles heraus. Neben der Musik erscheinen auch die ersten Filme für/über Jugendliche: „Saat der Gewalt“ und „Außer Rand und Band“ oder „Denn sie wissen nicht, was sie tun…“.

1956
Elvis explodiert und löst eine Massenhysterie aus. Neue Rock’n’Roller und Songs schießen wie Pilze aus der Erde: Carl Perkins – Blue suede shoes, Roy Orbison – Ooby dooby, Gene Vincent – Be bop a lula, Bill Haley – Rip it up, Johnny Cash – Get rhthym, Webb Pierce – Teenage boogie, Eddie Cochran – 20 flight rock, Fats Domino – Blueberry Hill, Little Richard – Ready teddy. Zeitgleich formiert sich die Gegnerschaft. Bill Haley versucht im nächsten Film zu schlichten: Don’t knock the rock.

Und die neue Musikrichtung schwappt auch nach Deutschland über: der erste Hit von Peter Kraus heißt Tutti Frutti. Der 80-jährige Kanzler Adenauer ist entsetzt.

1957
Rock’n’Roll wird zur Flutwelle und ist überall in den Charts vertreten. Jerry Lee Lewis, Buddy Holly, die Everly Brothers, Ricky Nelson, Bob Luman, Big Bopper, Conway Twitty, Wanda Jackson, Brenda Lee …
Die Jukeboxes füllen sich mit Titeln wie I‘m walkin‘, Lucille, At the hop, Boni Maronie, Oh boy, Not fade away, Reelin‘ and rockin‘, Big river, C.C. Rider, Stood up, Black slacks…