Comeback

Im kleinen Kreis heiratet Elvis am 1.5.67 sein hübsches Souvenir aus Deutschland – acht Jahre, nachdem sie sich Ende 1959 kennengelernt hatten. Seit Frühjahr 1963 lebt Priscilla in Graceland und führt mit Elvis ein Leben im goldenen Käfig. Kurz nach der Geburt von Lisa Marie Presley läuten am 1.3.68 auch bei Johnny Cash und June Carter die Hochzeitsglocken.

Im gleichen Jahr tritt Johnny Cash im Folsom State Prison auf und veröffentlicht sein erstes Live-Album – das letzte Mal mit seinem unauffälligen Gitarristen Luther Perkins. Dieser verstarb Zigarette rauchend in seinem Bett. Nach dem großen Plattenerfolg wird für den nächsten Gefängnisauftritt ein TV-Team dazugeholt und am 14.2.69 ein weiteres Album „Live at San Quentin“ eingespielt – mit Bob Wootton an der Lead-Gitarre.

Der Longplayer wie auch die Single-Auskopplung A boy named Sue erreichen die Spitzenposition der (Country- und Pop-)Charts. Ganze fünf Auszeichnungen bei den jährlichen Country-Awards sind der Lohn der Arbeit für das beste Album, beste Single, besten Sänger, beste Vokalgruppe (mit June für Jackson) und besten Entertainer.

Zumindest die letzte Trophäe hätte Jerry Lee Lewis, der an diesem Abend die Verleihung wutentbrannt verlässt, zugestanden. Sein Kommentar: „Die könnten splitternackt auf die Bühne gehen. Was die können, mache ich mit einem verdammten Fuß auf dem Klavier!“ Jerry Lee, der Ende der 60er ein fulminantes Comeback mit vielen Balladen in den Top 10 der Country-Charts hinlegte, antwortet musikalisch: The Killer rocks on mit der No. 1-Singleauskopplung Chantilly Lace.

Nach einer vielumjubelten Open air-Revival-Show im kanadischen Toronto feiern 83.000 Menschen am 5.8.72 im Londoner Wembley-Stadion zusammen mit Jerry Lee, Bill Haley, Little Richard, Chuck Berry und weiteren 50er-Jahre Stars die Wiederauferstehung des Rock’n’Roll. Bei der Gelegenheit spielt der Killer mit renommierten Studiomusikern, z.B. Albert Lee, sein nächstes Album, eine Doppel-LP, ein: The London Session. Sein vorherrschendes Lebensmotto wird als Single veröffentlicht: Drinkin’ wine spo-dee-o-dee, ein Lied, das er bereits als 16Jähriger bei einem Ford-Autohaus in Ferriday, Louisiana in einer Boogie Woogie-Version intonierte.

Und auch Elvis beendet 1968 seine abflauende Filmkarriere mit einem Paukenschlag: Am 3.12.68 strahlt NBC sein TV-Comeback-Special aus. Die Einschaltquote liegt bei über 40%!
Die sogenannten „Sit-down- Elemente“ gelten als erste Unplugged-Show der Musikgeschichte. Das Album zum TV-Special erreicht Platz acht der Billboard-Pop-Charts.

Elvis ist wieder da! Und nach acht Jahren Bühnenabstinenz gibt er wieder Konzerte. In den nächsten acht Jahren sind seine Engagements im International Hotel in Las Vegas (Premiere am 31.7.69) immer ausverkauft. Zudem sind seine regelmäßigen Auftritte im Sahara Tahoe Hotel die Attraktion in Nevada. Genauso gestalten sich seine Touren durch Amerika als Publikumsmagnet. Im New Yorker Madison Square Garden wird ein neuer Besucherrekord eingestellt: 80.000 (!) Menschen erleben Elvis im Juni 1972 in bester Auftrittslaune bei vier Konzerten an drei Tagen. Elvis ist nach wie vor die Massensensation im Business. Auch die Rückkehr nach Memphis, dem Geburtsort seiner Karriere, für neue Studioaufnahmen bringt ihn wieder zurück auf die Erfolgsspur und in die Charts. Suspicious minds wird seine erste Nr. 1 nach sieben Jahren, und auch In the Ghetto erreicht 1969 in den USA Platz 3 der Pop-Charts und Platz 2 der Country Charts – in Deutschland ist In the Ghetto Elvis’ einziger Nummer 1-Hit zu Lebzeiten. 1970 entsteht dann der erste Konzert-Dokumentarfilm ‚Elvis – That’s the way it is’, gefolgt von ‚Elvis on tour’ (1972).


Im gleichen Jahr geht Johnny Cash das erste Mal auf Deutschlandtournee – fortan immer in schwarzer Kleidung. Nach einer eigenen TV-Show mit 56 Sendungen zwischen 1969 und 1971 aus dem legendären Ryman Auditorium genießt er einen enormen Bekanntheitsgrad und wird sogar von Präsident Nixon als die „wahre Stimme Amerikas“ bezeichnet. Mitte der 70er Jahre sinkt Cashs Popularität langsam, trotzdem verkaufen sich 1975 von seiner Autobiografie Man in Black 1,3 Millionen Exemplare.

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