Die wilden 50er


Während der hüftschwingende Elvis mit schwarz gefärbten Haaren seinen zweiten Kinofilm Loving you (Gold aus heißer Kehle) dreht, touren Jerry Lee, Johnny Cash und Carl Perkins gemeinsam durch den Süden Amerikas. Johnny Cash, der zuvor Elvis’ Auftrittsperformance studierte, parodiert nun Elvis’ ersten Hit Heartbreak Hotel bei den eigenen Shows.

Und auch der Neuling Jerry Lee feilt an seiner Bühnenshow und spielt auf Anraten seiner beiden Mitstreiter das Piano im Stehen. Als in einem unkontrollierten Moment gar der Klavierhocker umfällt und das Publikum die Szene mit Applaus quittiert, weiß Jerry Lee, wie er seine Zuschauer fortan in den Bann ziehen wird. Aufgekratzt von den Konzerten, geht das wilde, ausgelassene Tourleben in den Hotels weiter: Die Zimmer werden mit Stroh ausgelegt und mit gackernden Hühnern gefüllt. Das Mobiliar wird eigenwillig ausgetauscht oder gleich mitgenommen. Auf den Hotelgängen finden mitten in der Nacht Schießereien (mit Platzpatronen) statt – zum Leidwesen schlafender Hotelgäste.

Musikalisch gelingt Jerry Lee im Sommer 1957 der große Wurf: Seine zweite Single Whole lotta shakin’ goin’ on verdrängt Elvis’ Teddybear von der Chartspitzenposition, und der exzentrische Mann aus Louisiana mit seinem agressivem Klavierstil wird zur neuen Speerspitze von SUN-Records.

Doch Elvis’ Erfolgsserie reißt nicht ab, und aus dem Erlös drei weiterer Nummer 1-Hits 1957 (All shook up, Jailhouse Rock, Too much) kauft Elvis zum Schutz vor allzu aufdringlichen Fans das Anwesen Graceland vor den Toren der Stadt Memphis für 100.000 $. Johnny Cash besingt sein „Zuhause“ melancholisch – erstmalig mit Klavierbegleitung: Home of the Blues. Gemeint ist sein Lieblingsplattenladen in Memphis. Die erste LP von SUN erscheint: Johnny Cash with his hot & blue guitar. 
Und Jerry Lee zündet Ende des Jahres sein nächstes Höllenfeuer: Great balls of fire! Der Song – ursprünglich von zwei Musikern (Jerry Lee: Piano + vocal und James van Eaton – Schlagzeug) eingespielt – ist gleichzeitig explosiver Höhepunkt des Musikkinofilms Discjockey Jamboree, bei dem auch Carl Perkins seine neue Single vorstellt: Glad all over – mit mäßigem Erfolg. Dieser hatte zuvor den „Fire-Song“ abgelehnt.
Drei ländliche Südstaatenburschen aus ärmlichen Verhältnissen sind jeweils innerhalb eines Jahres wie Phoenix aus der Asche auferstanden und zu neuen Jugendidolen aufgestiegen…