Deutschland im Rock’n’Roll-Fieber


Der Rock’n’Roll-Virus erreicht Deutschland:
1954 kann man das Gedudel auf Deutschlands Radiowellen nur im Suff ertragen, nicht umsonst ist Alkohol in den Hitparaden ein beliebtes Thema: „Die Zehn Whiskeys“ sind mit ihrem Hit „Wir, wir, wir haben ein Klavier“ zwei Monate auf Platz 1, im September folgt der „Wodka-Fox“ von Hans-Arno Simon. Na, dann Prost! Nur „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ ist was los, weiß Hans Albers zu berichten. Doch der Soldatensender AFN (American Forces Network) bringt den Rock’n’Roll nach Europa. Und während Freddy Quinn noch sein ‚Heimweh’ besingt, startet Ende 1956 die musikalische Attacke: Rock around the Clock ist die erste ausländische Single, die über eine Million Mal in Deutschland verkauft und mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Der Haley-Song kommt im April 1956 in die deutschen Charts und bleibt für vier Wochen die Nummer eins.

Tutti Frutti wird von Elvis-Ersatz Peter Kraus eingedeutscht, und Kanzler Adenauer feiert dazu seinen 82. Ehrentag. Im gleichen Jahr erscheint die erste BRAVO, Zeitschrift für Film und Fernsehen, mit dem Titelbild von Marilyn Monroe. Im Kino laufen derweil die James Dean-Filme: „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“. Das deutsche Pendant dazu: „Die Halbstarken“ mit Horst Buchholz und Karin Baal. Peter Alexander warnt zwar noch „Wehe, wenn sie losgelassen“ doch da ist es bereits zu spät: Eine hysterische Menschenmasse erwartet den berühmtesten GI am 2.10.58 in Bremerhaven, der seinen Militärdienst in Friedberg absolvieren muss. Kurz darauf kommt es zum Treffen der Rock’n’Roll-Giganten: Während seiner Deutschland-Tour empfängt Bill Haley im Oktober 1958 den GI Elvis Presley in seiner Garderobe in Frankfurt. Das, was Elvis in Amerika mit seiner Musik begann, setzt Bill nun in Deutschland fort: Es kommt immer wieder zu tumultartigen Szenen, in deren Verlauf einige Stuhlreihen zu Bruch gehen. Bereits bei den Konzerten in München, Stuttgart und Hamburg haben jugendliche Fans randaliert und Sachschäden verursacht. In Berlin mündet das Konzert in einer regelrechten Saalschlacht. Schuld war aber auch das Orchester von Kurt Edelhagen und Bill Ramsey, die die sogenannten Halbstarken im Vorprogramm mit Jazz langweilten. Die Bereitschaftspolizei benötigt Stunden, um die randalierenden Jugendlichen aus der Halle zu drängen. Wenig später erhält Bill Haley eine Gastrolle in dem deutschen Film „Hier bin ich, hier bleib ich“ und singt im Duett mit Caterina Valente das Lied „Viva la Rock and Roll“.

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