Außer Rand und Band

War der Rock’n’Roll zu Beginn noch schwarz, wurde er nun schwarz/weiß, zum Ende des Rock’n’Roll-Booms fast ausschließlich weiß. Wichtig für die langsame, aber stetige Entwicklung des Rock’n’Roll waren Radio-Disc-Jockeys wie Dewey Phillips in Memphis (WHBQ) und Alan Freed in Cleveland, Ohio (WJW).

Diese Disc-Jockeys erweisen sich als erfrischend, direkt und hervorragend geeignet, junge Menschen, schwarz oder weiß, anzusprechen. Alan Freed geht sogar noch einen Schritt weiter und präsentiert die Musik live – mit schwarzen Interpreten, zu denen – oh Graus – mehr weiße als schwarze Besucher kommen, darunter viele künftige Künstler, die später die R&B-Songs erneut zu Hits führen. Ab 1956 dreht der beliebte DJ sogar Rock’n’Roll-Filme wie „Außer Rand und Band“ (Teil 1 und 2) oder „Mr. Rock’n’Roll“. Das weiße Establishment schaut argwöhnisch darauf, dass immer mehr weiße junge Leute der schwarzen Musik folgen, denn jedes Aufweichen der Rassenschranken scheint ihm gefährlich. Die Radiostationen haben Anfang der 50er fast ausschließlich weiße Besitzer, die sich aber um Rassenschranken und Politik wenig scheren. Ihnen kommt es vor allem darauf an, Werbezeit zu verkaufen. Und mit der steigenden Kaufkraft der Teenager und dem Vordringen der schwarzen Musik, mal Rhythm & Blues genannt, mal Rock’n’Roll, wäre es dumm, auf dieses Publikum zu verzichten. Es gibt den Spruch „Grün schlägt weiß“. Das bedeutet, dass der Dollar, dessen Banknoten ja grün sind, sich um die Rassenfrage nicht kümmert.

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