Die Legenden


Nach unzähligen Dokumentationen und Spielfilmen über Elvis’ Leben wird 1989 Jerry Lees wilde Rock’n’Roll-Karriere verfilmt – sechs Jahre nach der letzten Chartplatzierung (Why you been gone so long). Great balls of fire mit Dennis Quaid in der Hauptrolle ist eher eine Komödie als ein ernstgemeinter Versuch, Jerry Lees kometenhafte Karriere in den 50ern darzustellen.

1999 ist der King wieder da – auf Leinwand. Begleitet von seiner TCB-Band und der Sweet Inspirations Original-Las Vegas-Band tourt Elvis durch ausverkaufte Hallen in Europa. Zur Fußball-WM 2002 ist der Elvis-Titel A little less conversation in 23 Ländern auf Platz 1 – als Werbesong der Firma Nike.


1994 beginnt die letzte musikalische Epoche von Johnny Cash unter der Regie von Hip-Hop- und Metal-Produzent Rick Rubin für American Recordings. Eröffnet wird die Reihe mit Delia’s Gone, einer Ballade über einen Mörder, in der Tradition von Cashs düstersten Songs. Mit dem dazugehörigen Video, in dem Topmodel Kate Moss die Hauptrolle spielt, wird Cash schließlich auch dem jüngeren MTV-Publikum bekannt. Aufgrund der neuen Begleitmusiker (Tom Petty & the Heartbreakers, Red Hot Chili Peppers und Fleetwood Mac) weicht der urtypische Boom-chicka-boom-Rhythmus einem neuen Cash-Sound.

Bei den Aufnahmen für das zweite Album Unchained im Jahr 1996 geht es Cash gesundheitlich schon so schlecht, dass er zwischendurch immer wieder Pausen einlegen muss. 

Nach seiner letzten Europatournee 1997 wird ihm zu Ehren am 6. April 1999 im Hammerstein Ballroom in Manhattan, New York City, das Konzert An All Star Tribute to Johnny Cash aufgezeichnet, bei dem viele Weltstars seine Lieder singen. Cash tritt, stark geschwächt und zur Verwunderung und Freude des Publikums, auch selbst auf. Es ist sein letzter Auftritt auf einer großen Bühne.

Auf dem im Oktober 2000 erschienenen Album American III: Solitary Man klingt Cashs sonst so fester Bariton erstmals brüchig. Mit Johnny Cashs letztem zu Lebzeiten veröffentlichten Album, American IV: The Man Comes Around vom November 2002, gelingt ihm mit einem zweiten Platz in den Country-Charts noch einmal ein großer Erfolg. Cashs Gesang ist hier fragil, zurückhaltend und würdevoll. Man hört ihm an, dass er schwer krank ist, die Gebrochenheit seiner Stimme passt jedoch zum Grundton des Albums, das vorwiegend von Liebe, Tod und dem Leben danach handelt. Diese vier letzten Alben von Johnny Cash aus der American-Recordings-Reihe fanden weltweit auch außerhalb der Countryszene große Anerkennung.

Er sang I’ve been everywhere. Und in der Tat, er war überall – dreimal überall. Nach zwölf Weltumrundungen für unzählige Konzerte stirbt Johnny Cash am 11. September 2003 – nur vier Monate nach dem Tod seiner Frau June Carter und 35 gemeinsamen Ehejahren. Zeitlebens hat Johnny Cash etwa 500 Songs selbst geschrieben und mehr als 53 Millionen Tonträger verkauft. Drei Jahre später erscheint posthum das fünfte Album der American Recordings-Reihe: A Hundred Highways. Das Album ist noch erfolgreicher als sein Vorgänger und wird mit Gold ausgezeichnet. Es erreicht Platz 1 in den amerikanischen Country-Alben-Charts – das letzte Cash-Album, dem dieses bis dahin gelang, war das Album Man in Black aus dem Jahr 1971.

2005 wird das Leben von Johnny Cash verfilmt: Die Filmbiographie Walk the Line, die die Jahre 1944 bis 1968 umfasst, wird mit drei Golden Globes ausgezeichnet und für fünf Oscars nominiert; Reese Witherspoon, die persönlich von Cash und seiner Frau ausgewählt wurde, erhält den Oscar als „Beste Hauptdarstellerin“.

Das 2006 von Sänger Barry Gibb (Bee Gees) erworbene Haus am Old Hickory Lake, in dem Johnny Cash bis zu seinem Tod lebte, brannte ein Jahr später vollständig nieder.

Der einzig Überlebende und oftmals Totgesagte, Jerry Lee Lewis, lässt weiter von sich hören: 1995 erscheint sein lang ersehntes, jedoch etwas überproduziertes Album (Young blood). Darauf musste man immerhin neun Jahre warten. Nach der 2006 erschienenden CD Last Man Standing mit 22 Gaststars, darunter Little Richard, den Rolling Stones, Bruce Springsteen, Ringo Starr und Merke Haggard, folgt bereits 2010 die nächste Veröffentlichung, das Selbstbekenntnis Mean Old Man – nach dem gleichen Konzept wie das Vorgängeralbum.

In vielen Interviews gibt Jerry Lee an, neben sich selbst mit seinem von Gott gegebenen Talent nur drei andere Musiker als Stilisten zu akzeptieren: Al Jolson, Jimmie Rodgers und Hank Williams. 
In vielen seiner Lieder besingt er sich oder sein Leben selbst. Oftmals kennzeichnet er die Songs durch seinen Namen. 2005 wird Jerry Lee Lewis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.



Drei junge Südstaatenburschen schrieben Musikgeschichte und entwickelten sich zur Elite der Entertainer. Sie sind bis heute nicht vergessen; alle auf ihre Weise einmalig, großartig, unverkennbar. Keine Superstars, sondern Mega-Weltstars!

The Survivors

Kurz nach Elvis‘ Tod erscheint von SUN ein neues Jerry Lee Lewis-Album: Duetts. Viele Fachleute rätseln, ob Elvis gemeinsam mit Jerry Lee einige Lieder im SUN-Studio Memphis/Tenn. eingespielt hat.

Beim TV-Weihnachtsspecial von Johnny Cash gedenken die einstigen Labelkollegen Jerry Lee und Carl Perkins (The Survivors) des bekanntesten, erfolgreichsten und beliebtesten Künstlers aller Zeiten.
Eine andere erfolgreiche Symbiose von All-Stars zu einer Country-Supergruppe sind die Highwaymen – Cashs letztes Projekt (3 Alben ab 1985) für die Plattenfirma Columbia nach fast 30 Jahren Zusammenarbeit.

Nach dem Motto „vier zum Preis von einem“ ist das Projekt der vier Countryhaudegen Johnny Cash, Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristoffersen – der seinen Durchbruch Johnny Cash verdankt – sehr erfolgreich. Mit dem Album Highwayman und dem gleichnamigen Titelsong erreicht Cash das erste Mal seit mehr als 10 Jahren wieder Platz 1 der Country-Charts.


1986 kommt es sogar im ehemaligen SUN-Studio zum ,Klassentreffen‘ der einstigen Labelkollegen Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Roy Orbison, aus dem das Album Class of 55 – Memphis Homecoming resultiert, ein müder, überproduzierter Aufguss, der viele Fans enttäuscht. Kurz darauf wird das berühmte kleine Tonstudio zur Touristenattraktion, fünf Jahre nach der Eröffnung von Graceland. Elvis’ 23-Zimmer-Villa in Memphis ist mittlerweile das zweitbekannteste Haus der USA nach dem Weißen Haus. Mit durchschnittlich 500.000 verkauften Eintrittskarten pro Jahr hat Amerika seit 1982 ein neues Pilgerziel, welches seinen Höhepunkt jährlich zur Elvis Tribute Week anlässlich des Todestages erlebt.

Ab 1984 kann auch Elvis’ Flugzeug Lisa Marie in Graceland besichtigt werden. Das Elvis-Töchterchen selbst macht 10 Jahre später von sich reden, als sie nach gut 100 Tagen Ehe mit dem kieksenden Zappelphillip Michael Jackson die Scheidung einreicht.
In Deutschland erscheint 1988 eine Elvis-Briefmarke – vier Jahre früher als in den USA, wo die Briefmarke mit einer Auflage von 500 Millionen Stück zur meistverkauften Marke wird.
Shakin’ Stevens, der zu diesem Zeitpunkt 
beliebtester Künstler in der BRAVO ist, verdankt seinen Ruhm der Rolle als Elvis-Imitator in einem englischen Musical über den King.

Elvis has left the building

Elvis has left the building wird das letzte Mal am 26.6.77 beim Konzert in Indianapolis verkündet. Am Tag seines Todes, dem 16. August 1977, will er sich noch auf den Weg zu einer weiteren Tournee machen, die in Portland beginnen soll. Die Welt trauert um den King.

Doch sein Lebenswerk ist unglaublich: Bis zu seinem Tode hat er 500 Millionen Platten verkauft, bis heute sind es fast zwei Milliarden Tonträger. Damit ist er bis heute der kommerziell erfolgreichste Solokünstler aller Zeiten. Er hat die meisten Nr.1-Hits und war insgesamt die längste Zeit als Künstler auf Platz 1 (80 Wochen) der Musikcharts. Er hat die meisten Top 10-Notierungen (38). Über 150 Singles wurden in den Hot 100 gelistet, über 100 LPs werden in den Charts notiert, darunter 82 Gold- und Platin-Ehrungen.
Elvis Presley ist bis heute der einzige Musiker, der Nummer-eins-Hits in den Pop-, Country-, Adult-Contemporary- und Rhythm & Blues-Charts hatte. Elvis ist mit 165 Songs in den amerikanischen Pop-Charts zwischen 1955 und 2008 der unangefochtene Spitzenreiter dieser Chart-Kategorie, gefolgt von James Brown (107) und Ray Charles (91) auf den Plätzen zwei und drei. Er führt bis heute die Billboard-Liste der 500 erfolgreichsten Künstler ab 1955 an. Des Weiteren hält er mit 46 Jahren den Rekord für die längste Zeitspanne zwischen seiner ersten und seiner letzten Top-Albumplatzierung.
Elvis Presley ist nach Billboards-Klassifizierungssystem nicht nur der erfolgreichste Song-, sondern mit deutlichem Abstand vor Frank Sinatra der erfolgreichste Albumkünstler aller Zeiten. Er ist als einziger Künstler in fünf Halls of Fame vertreten: Rock’n’Roll, Rockabilly, Country, Blues und Gospel. Relativ wenig bekannt ist, dass Elvis Presley hinter Bing Crosby und Gene Autry auch der dritt-erfolgreichste Interpret von Weihnachtssongs ist. 1964 war Elvis mit Blue Christmas auf Platz 1. Die RIAA gab 2008 bekannt, dass Elvis´ Christmas Album, eine Zusammenstellung von Weihnachtssongs aus den 1950ern und 1970ern, mit über 10 Mio. Exemplaren das meistverkaufte Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA ist. In den ersten Jahren der CD ist er der Marktführer.

Es gibt über 1000 Tributsongs oder Lieder, die mit Elvis zu tun haben. Keiner verkaufte mehr Videofilme als Elvis. Weltweit gibt es mehr als 2000 Bücher über den King. Er hat die meisten Fanclubs, die meisten Imitatoren (35.000 hauptberuflich allein in den USA). Viele Straßen und Plätze auf der Welt ziert sein Name. Elvis hat jeden Gipfel erklommen, den es zu besteigen gab.

Die Kehrseite der Medaille

1973 beginnt mit einem neuen Weltrekord: Am 14. Januar, kurz nach Elvis’ 38. Geburtstag, versammelt der King über eine Milliarde Menschen in mehr als 40 Ländern vor dem Fernseher.
Per Satellit wird erstmalig ein Konzert Aloha from Hawaii live in die ganze Welt ausgestrahlt. Auffällig ist aber auch, dass der größte Künstler aller Zeiten an Leibesfülle zugelegt hat – die Kehrseite des Erfolges.


Elvis nimmt seit seiner Armeezeit immer mehr Pillen, ein teuflischer Dämon, der auch Johnny Cash seit 1958 begleitet. The Man in black schafft zwar kurz vor seiner Hochzeit im engsten Familien- und Freundeskreis den kalten Entzug, doch nach einem unsinnigen Zweikampf mit einem Strauß auf seinem Anwesen in Hendersonville fällt er in die alte Abhängigkeit zurück – bis 1984.

Bei Jerry Lee Lewis führt der Tod seines 3jährigen Sohnes 1962 zur Alkoholsucht. Daneben schätzt er ebenfalls die belebende Wirkung von Amphetaminen. Als seine Ehe mit seiner Jugendliebe Myra geschieden wird und sein zweiter Sohn 1973 bei einem Autounfall tödlich verunglückt, wird das Verhalten des exzentrischen Entertainers unberechenbar. Jerry Lees Chronik in den 70er und 80er Jahren liest sich wie ein Polizeibericht: Anklagen wegen Körperverletzung, Erregung öffentlichen Ärgernisses und Ruhestörung, Fahren unter Einfluss von Drogen und Alkohol, Scheidungsklagen, Hunderte von abgesagten Konzerten. Und wenn er auftritt, muss er sich Klagen wegen zu kurzer Shows stellen. Er taucht wild mit einem Revolver fuchtelnd vor Graceland auf und wird wegen Drogenbesitz verhaftet. Ende der 70er Jahre wird Jerry Lees Hab und Gut versteigert, er flieht wegen Steuerschulden nach Irland.

Trotz körperlichen Raubbaus liefert er bei seiner neuen Plattenfirma Elektra in zwei Jahren drei gute Rock’n’Roll-Alben ab. Doch privat macht der Killer seinem Namen alle Ehre: Seine fünfte Frau ertrinkt im Swimmingpool, und seine neue, 25jährige Ehefrau stirbt 78 Tage nach der Hochzeit an einer Überdosis Methadon. Der Bad Boy des Rock’n’Roll selbst überlebt hingegen die ein oder andere Einlieferung in die Notaufnahme, trotz anderslautender Zeitungsmeldungen. Sein ausuferndes Rockerleben ist gekennzeichnet von Sex, Drugs & Rock’n’Roll, von Schulden, Gewalt und Todesfällen.

Comeback

Im kleinen Kreis heiratet Elvis am 1.5.67 sein hübsches Souvenir aus Deutschland – acht Jahre, nachdem sie sich Ende 1959 kennengelernt hatten. Seit Frühjahr 1963 lebt Priscilla in Graceland und führt mit Elvis ein Leben im goldenen Käfig. Kurz nach der Geburt von Lisa Marie Presley läuten am 1.3.68 auch bei Johnny Cash und June Carter die Hochzeitsglocken.

Im gleichen Jahr tritt Johnny Cash im Folsom State Prison auf und veröffentlicht sein erstes Live-Album – das letzte Mal mit seinem unauffälligen Gitarristen Luther Perkins. Dieser verstarb Zigarette rauchend in seinem Bett. Nach dem großen Plattenerfolg wird für den nächsten Gefängnisauftritt ein TV-Team dazugeholt und am 14.2.69 ein weiteres Album „Live at San Quentin“ eingespielt – mit Bob Wootton an der Lead-Gitarre.

Der Longplayer wie auch die Single-Auskopplung A boy named Sue erreichen die Spitzenposition der (Country- und Pop-)Charts. Ganze fünf Auszeichnungen bei den jährlichen Country-Awards sind der Lohn der Arbeit für das beste Album, beste Single, besten Sänger, beste Vokalgruppe (mit June für Jackson) und besten Entertainer.

Zumindest die letzte Trophäe hätte Jerry Lee Lewis, der an diesem Abend die Verleihung wutentbrannt verlässt, zugestanden. Sein Kommentar: „Die könnten splitternackt auf die Bühne gehen. Was die können, mache ich mit einem verdammten Fuß auf dem Klavier!“ Jerry Lee, der Ende der 60er ein fulminantes Comeback mit vielen Balladen in den Top 10 der Country-Charts hinlegte, antwortet musikalisch: The Killer rocks on mit der No. 1-Singleauskopplung Chantilly Lace.

Nach einer vielumjubelten Open air-Revival-Show im kanadischen Toronto feiern 83.000 Menschen am 5.8.72 im Londoner Wembley-Stadion zusammen mit Jerry Lee, Bill Haley, Little Richard, Chuck Berry und weiteren 50er-Jahre Stars die Wiederauferstehung des Rock’n’Roll. Bei der Gelegenheit spielt der Killer mit renommierten Studiomusikern, z.B. Albert Lee, sein nächstes Album, eine Doppel-LP, ein: The London Session. Sein vorherrschendes Lebensmotto wird als Single veröffentlicht: Drinkin’ wine spo-dee-o-dee, ein Lied, das er bereits als 16Jähriger bei einem Ford-Autohaus in Ferriday, Louisiana in einer Boogie Woogie-Version intonierte.

Und auch Elvis beendet 1968 seine abflauende Filmkarriere mit einem Paukenschlag: Am 3.12.68 strahlt NBC sein TV-Comeback-Special aus. Die Einschaltquote liegt bei über 40%!
Die sogenannten „Sit-down- Elemente“ gelten als erste Unplugged-Show der Musikgeschichte. Das Album zum TV-Special erreicht Platz acht der Billboard-Pop-Charts.

Elvis ist wieder da! Und nach acht Jahren Bühnenabstinenz gibt er wieder Konzerte. In den nächsten acht Jahren sind seine Engagements im International Hotel in Las Vegas (Premiere am 31.7.69) immer ausverkauft. Zudem sind seine regelmäßigen Auftritte im Sahara Tahoe Hotel die Attraktion in Nevada. Genauso gestalten sich seine Touren durch Amerika als Publikumsmagnet. Im New Yorker Madison Square Garden wird ein neuer Besucherrekord eingestellt: 80.000 (!) Menschen erleben Elvis im Juni 1972 in bester Auftrittslaune bei vier Konzerten an drei Tagen. Elvis ist nach wie vor die Massensensation im Business. Auch die Rückkehr nach Memphis, dem Geburtsort seiner Karriere, für neue Studioaufnahmen bringt ihn wieder zurück auf die Erfolgsspur und in die Charts. Suspicious minds wird seine erste Nr. 1 nach sieben Jahren, und auch In the Ghetto erreicht 1969 in den USA Platz 3 der Pop-Charts und Platz 2 der Country Charts – in Deutschland ist In the Ghetto Elvis’ einziger Nummer 1-Hit zu Lebzeiten. 1970 entsteht dann der erste Konzert-Dokumentarfilm ‚Elvis – That’s the way it is’, gefolgt von ‚Elvis on tour’ (1972).


Im gleichen Jahr geht Johnny Cash das erste Mal auf Deutschlandtournee – fortan immer in schwarzer Kleidung. Nach einer eigenen TV-Show mit 56 Sendungen zwischen 1969 und 1971 aus dem legendären Ryman Auditorium genießt er einen enormen Bekanntheitsgrad und wird sogar von Präsident Nixon als die „wahre Stimme Amerikas“ bezeichnet. Mitte der 70er Jahre sinkt Cashs Popularität langsam, trotzdem verkaufen sich 1975 von seiner Autobiografie Man in Black 1,3 Millionen Exemplare.

Die 60iger


In den 60igern dreht Elvis drei Filme pro Jahr, insgesamt kommt er auf stolze 31 Spielfilme in 22 Jahren. 1961 steht Elvis nur noch dreimal auf der Bühne. Doch seine Filmkarriere nimmt Fahrt auf: Elvis erntet für seine Leistung in Jailhouse Rock erstmals gute Kritiken als Schauspieler, während er selbst seinen vierten Kinofilm King Creole für einen seiner besten Filme hält.1963 hat er mit Fun in Acapulco den Film des Jahres und verdient fortan 750.000 $ pro Streifen.

Da der kommerzielle Erfolg bei anspruchsvolleren Filmen wie Flaming star oder Wild in the country geringer ausfällt, wird Elvis’ Rolle fortan endgültig auf das Genre der Teenager-Musikkomödie festgelegt, in der er einen charmanten und vor allem singenden Sunnyboy an einem möglichst exotischen Urlaubsort, umgeben von vielen hübschen Mädchen, darstellen muss. Anfangs werden noch acht Wochen Dreharbeiten benötigt, zum Ende seiner Filmkarriere ist Elvis’ Part bereits nach zehn Tagen eingespielt. In diesen Filmen, die wie vorgefertigte Hamburger wirken, wird Elvis auf den harmlos grinsenden Lieblingsschwiegersohn der Nation reduziert. Doch die Kombination Platte und Film sind ideale Werbeträger auf wechselseitiger Basis.


Jerry Lee muss nach seinem jähen Karriereabsturz wieder durch die Clubs tingeln und macht dabei auch Station in Europa. Der Rock’n’Roll ist mittlerweile weichlich und schlaff geworden; nur einer rockt weiter: Im Star Club Hamburg nimmt der Louisiana Fireball am 5.4.1964 das beste Live-Album der Rockgeschichte auf. Folgerichtig nennt er seinen folgenden Longplayer The greatest live show on earth – ein weiteres Zeitzeugnis seiner überragenden Bühnenpräsenz.

Seine Single-Auskopplungen – bis auf What’d I say 1961 – floppen jedoch regelmäßig. Da der Name Jerry Lee Lewis geächtet ist, nimmt er Instrumentaltitel unter dem Pseudonym The Hawk auf. Bei weiteren Aufnahmen spielen sogar andere Pianisten auf der heiligen Tastatur einige Titel für Jerry Lee ein, z.B. Charlie Rich bei The Ballad of Billy Joe, der Versuch, einen unmittelbaren Antwortsong auf den Cash-Hit Don’t take your guns to town erfolgreich zu platzieren. Vergeblich.


Auch Elvis, der Mitte der 60er mit seiner Filmkarriere in eine Sackgasse geraten ist, findet seine Songs nur noch in den unteren Chartpositionen, da sich die Lieder mittlerweile genauso ähneln wie die Filmdrehbücher. Anders bei Johnny Cash: Ring of fire ist 1963 acht Wochen auf No. 1, und auch international ist dieser Song über verdrängte Liebe sein größter Erfolg. Das Lied hatte Merle Kilgore zusammen mit June Carter geschrieben, die darin Cashs Sucht und ihre unterdrückte Leidenschaft zu ihm beschreibt. Cash und Carter sind beide zu diesem Zeitpunkt noch mit anderen Partnern verheiratet, aber seit langem ineinander verliebt. Bereits seit 1961 wird Cash von June Carter und der Carter Family auf seinen Tourneen begleitet.

Die Beatlemania erfasst Anfang 1964 Amerika. Nachdem die vier Pilzköpfe im Jahr zuvor in England noch als Vorband von Roy Orbison spielten, erzielen die FabFour bei ihrer ersten Amerikatournee im Februar neue Zuschauerrekorde – mit im Gepäck ihre erste No. 1 I want to hold your hand und etliche Rock’n’Roll-Klassiker (u.a. von Carl Perkins). Bei sechs (eigenen) No. 1-Hits innerhalb eines Jahres sind die Beatles bereits im August 1964 wieder im Lande. Während der nächsten Amerikatour im Folgejahr kommt es zum historischen Treffen zwischen den Beatles und Elvis in Graceland.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf


Bei seinem TV-Auftritt in der Milton Berle-Show am 5. Juni 1956 gab Elvis erstmals Hound Dog zum Besten. Zur Begeisterung vor allem der jungen Zuschauer macht Elvis während eines langsameren Blues-Teils besonders rhythmische Hüft- und Beinbewegungen. 
Es folgte ein nationaler Aufruhr ungeahnten Ausmaßes in den Medien, die The Pelvis von nun an als „Personifikation der die Teenager Amerikas verderbenden Rock-’n’-Roll-Bewegung“ brandmarkte. Die nächste Fernsehshow, die Elvis Presley buchte, war die erst im Juni 1956 neu gegründete Show von Steve Allen, die sich in direkter Konkurrenz zur Nummer eins unter den Shows – der Show von Ed Sullivan – positionieren wollte. Die Steve Allen-Show, in der im nächsten Jahr Jerry Lee Lewis seinen Durchbruch feiern würde, überstieg mit Elvis erstmals die Einschaltquoten von Ed Sullivan. Folgerichtig war Presleys nächste Station die Ed Sullivan Show, in der er laut Sullivan eigentlich nie hätte auftreten sollen – wäre der Entertainer nicht von Steve Allen bezüglich der Einschaltquoten ausgestochen worden.

Am Tag nach seinem gezähmten TV-Auftritt im Frack bei Steve Allen nimmt Elvis den Song Hound Dog im RCA-Studio auf. Nach 31 (!) Versuchen ist er zufrieden. Für Don’t be cruel reichen dem Perfektionisten 28 Durchläufe. Sein Pensum: Nur fünf Songs an zwei Tagen.

Und auch 1957 beherrscht Elvis die Charts. Es regnet förmlich goldene Schallplatten darunter fünf Nr. 1-Hits in einem Jahr: Too much, All shook up, Teddybear, Jailhouse rock und Loving you.


Das Frühjahr 1958 startet für Jerry Lee mit der ersten Auslandstournee, gemeinsam mit Buddy Holly und dem jungen Paul Anka. Zurück in den Staaten ringt der Pianowüstling mit Chuck Berry während Alan Freeds Big Beat-Tour in 46 Städten um die Krone des Rock’n’Roll, die Elvis im März aufgrund seines Wehrdienstes zurückließ. 
Breathless! Doch Jerry Lees starker Hang zu Eheschließungen führt im Juni zum jähen Absturz seiner kometenhaften Karriere. Die 13Jährige Cousine (dritten Grades) und gleichzeitig dritte Ehefrau wird zu seinem Verhängnis und ein Fall für das englische Innenministerium und zudem ein Schlachtfest für die Schlagzeilenschreiber. Nach nur drei von 37 geplanten Auftritten muss der ‚Kinderräuber’ und ‚Babyschänder’ England verlassen und kommt vom Regen in die Traufe: Auch Amerika wendet sich von ihm ab, und seine Platten werden boykottiert. Bezeichnender Weise beschreibt die Rückseite seiner aktuellen Single High school confidential (Filmtitel: Mit Siebzehn am Abgrund) die vorherrschende Situation und den eigenen Gemütszustand: Fools like me.


Nach Baby, let’s playhouse ist für Elvis die letzte Single auf SUN die erfolgreichste. I forgot to remember to forget ist im August 1955 die erste Nr. 1 der nationalen Billboard-Country-Charts; im Juli 1958 ist dieser Song auch die letzte Single von Johnny Cash für SUN-Records. Jerry Lees Versionen werden erst in den 80igern mit seinen gesamten SUN-Aufnahmen veröffentlicht.


Johnny Cash kann nach dem Wechsel zum Major Label Columbia Records weiterhin Erfolge feiern: I got stripes, Five feet high and rising und Don’t take your guns to town. 1959 ist er erstmalig im Ausland auf Tournee – mit Gene Vincent in Australien. Ein Jahr später stößt der ehemalige Carl Perkins-Schlagzeuger W.S. ‚Fluke’ Holland zur Band – fortan die ‚Tennessee Three’. Labelkollege Carl Perkins kann an seinen großen Erfolg Blue suede shoes nicht mehr anknüpfen und ist ab Mitte der 60er und in den 70er Jahren fester Begleitmusiker bei Johnny Cash.

Elvis lernt kurz vor Ende seiner Armeezeit in Friedberg Priscilla Beaulieu kennen, die 14Jährige Stieftochter eines Captains der Air Force. Zurück in Amerika wird Elvis nach einem sagenhaften Empfang seiner Fans von seinem ehemaligen Widersacher Frank Sinatra zu einem Welcome home TV-Special eingeladen. Ein gezähmter Elvis präsentiert sich. Auch musikalisch deutet sich ein Richtungswechsel an. Seine neuen Hits heißen Fever, Are you lonesome tonight und It’s now or never.

Die wilden 50er


Während der hüftschwingende Elvis mit schwarz gefärbten Haaren seinen zweiten Kinofilm Loving you (Gold aus heißer Kehle) dreht, touren Jerry Lee, Johnny Cash und Carl Perkins gemeinsam durch den Süden Amerikas. Johnny Cash, der zuvor Elvis’ Auftrittsperformance studierte, parodiert nun Elvis’ ersten Hit Heartbreak Hotel bei den eigenen Shows.

Und auch der Neuling Jerry Lee feilt an seiner Bühnenshow und spielt auf Anraten seiner beiden Mitstreiter das Piano im Stehen. Als in einem unkontrollierten Moment gar der Klavierhocker umfällt und das Publikum die Szene mit Applaus quittiert, weiß Jerry Lee, wie er seine Zuschauer fortan in den Bann ziehen wird. Aufgekratzt von den Konzerten, geht das wilde, ausgelassene Tourleben in den Hotels weiter: Die Zimmer werden mit Stroh ausgelegt und mit gackernden Hühnern gefüllt. Das Mobiliar wird eigenwillig ausgetauscht oder gleich mitgenommen. Auf den Hotelgängen finden mitten in der Nacht Schießereien (mit Platzpatronen) statt – zum Leidwesen schlafender Hotelgäste.

Musikalisch gelingt Jerry Lee im Sommer 1957 der große Wurf: Seine zweite Single Whole lotta shakin’ goin’ on verdrängt Elvis’ Teddybear von der Chartspitzenposition, und der exzentrische Mann aus Louisiana mit seinem agressivem Klavierstil wird zur neuen Speerspitze von SUN-Records.

Doch Elvis’ Erfolgsserie reißt nicht ab, und aus dem Erlös drei weiterer Nummer 1-Hits 1957 (All shook up, Jailhouse Rock, Too much) kauft Elvis zum Schutz vor allzu aufdringlichen Fans das Anwesen Graceland vor den Toren der Stadt Memphis für 100.000 $. Johnny Cash besingt sein „Zuhause“ melancholisch – erstmalig mit Klavierbegleitung: Home of the Blues. Gemeint ist sein Lieblingsplattenladen in Memphis. Die erste LP von SUN erscheint: Johnny Cash with his hot & blue guitar. 
Und Jerry Lee zündet Ende des Jahres sein nächstes Höllenfeuer: Great balls of fire! Der Song – ursprünglich von zwei Musikern (Jerry Lee: Piano + vocal und James van Eaton – Schlagzeug) eingespielt – ist gleichzeitig explosiver Höhepunkt des Musikkinofilms Discjockey Jamboree, bei dem auch Carl Perkins seine neue Single vorstellt: Glad all over – mit mäßigem Erfolg. Dieser hatte zuvor den „Fire-Song“ abgelehnt.
Drei ländliche Südstaatenburschen aus ärmlichen Verhältnissen sind jeweils innerhalb eines Jahres wie Phoenix aus der Asche auferstanden und zu neuen Jugendidolen aufgestiegen…

Das Million Dollar Quartett

Drei Tage später, am 4.12.1956 kommt es zum Gipfeltreffen der künftigen Musikgiganten. Bei einer Session im SUN-Studio jammen Elvis, Jerry Lee, Johnny Cash und Carl Perkins munter drauflos – das Million Dollar Quartet ist geboren.

Zu diesem Zeitpunkt hat Elvis bereits fünf Alben bei RCA veröffentlicht und sein Leinwanddebut (Love me Tender) gegeben. Bemerkenswerter Weise ist der jüngste Interpret, der gerade seinen ersten Tonträger herausbrachte, der (vor)lauteste. Von Johnny Cash ist gar nichts zu hören, Carl Perkins beschränkt sich in Anwesenheit von Elvis vornehmlich auf die Gitarrenbegleitung. Nur Jerry Lee, der an diesem Tag als Studiomusiker für Mr. Blue suede shoes am Piano saß, besitzt sogar die Dreistigkeit, den berühmtesten Rock’n’Roll-Repräsentanten vom Klavierstuhl zu verbannen. Die vier Musiker spielen in dieser Jam-Session Stücke aller Genres, darunter eine stattliche Menge Gospel wie Peace in the Valley, Chuck Berrys Brown Eyed Handsome Man bis hin zu Presleys eigenen Titeln Don’t Be Cruel und That’s When Your Heartaches Begin. Sam Phillips lässt das Aufnahmegerät mitlaufen. Nachdem die Bänder über Jahrzehnte verschwunden waren, erscheint die berühmte Jam-Session des „Million Dollar Quartets“ erst 1981 als Langspielplatte und ist heute vollständig auf CD erhältlich.

Auf Elvis’ erstem Album reihen sich viele seiner Lieblingssongs aus den Rhythm & Blues-Charts aneinander – Lieder, die er in seiner Kindheit hörte. Elvis konnte sich wenig Platten kaufen, doch hatte er die Gabe, sich die Texte und Abläufe der Musikstücke schnell zu merken. Presley las keine Noten und spielte rein nach Gehör, wobei er jedes Lied perfektionistisch so häufig wiederholte, bis er sich ganz sicher war, das Gefühl des Songs bestmöglich transportiert zu haben. Dazu trug er den Titel im Studio vor, als würde er vor einem Live-Publikum auftreten. Mit Erfolg: die erste LP Elvis Presley, auf der Songs aus der SUN-Zeit mit den neuen RCA-Aufnahmen kombiniert wurden, erreichte nur wenige Wochen nach Erscheinen die Nummer eins der Billboard-LP-Charts und wurde das erste Millionen-Dollar-Album in der Geschichte RCAs.

Die ersten Aufnahmen

Am 5.7.54 spielt der als ‚guter Balladensänger’ vermerkte 19Jährige mit zwei weiteren Musikern, Scotty Moore an der Lead-Gitarre und Bill Black am Kontrabass, im SUN-Studio seine erste Single ein. Der bekannte Memphis-DJ Dewey Phillips ist es, der den ersten Rockabilly-Titel der Geschichte in seiner Radiosendung auf WHBQ spielt, noch bevor sie als Single erschienen ist. Und That’s all right löst eine Flutwelle von Telefonanrufen im Sender aus. Der Zündfunke für den Rock’n’Roll ist entfacht. Wer ist dieser Sänger, der klingt wie ein Schwarzer? Der bekannte Country-Künstler Marty Robbins, bei dem das junge Talent im August `54 im Vorprogramm auftritt, führt eine an Elvis’ Aufnahme orientierte Version Anfang 1955 sogar in die Top 10 der Charts.

Die Rückseite Blue moon of Kentucky veranlasst den Originalinterpreten Bill Monroe sogar, seinen Titel – diesmal in einer wesentlich schnelleren Version – erneut einzuspielen.


Elvis, die singende Sensation, wird zum Idol der Memphis-Jugend.
Derweil tingelt Jerry Lee durch die Kneipen und sammelt als Pianist und Schlagzeuger erste Live-Erfahrung. Kurz nach Erscheinen Elvis’ erster Single erlebt Johnny Cash, zurück von der Air Force, das ‚Stadtgespräch’ auf dem Lastwagen, was ihn veranlasst, die Instrumentierung in der eigenen Westerngitarren-Band anzupassen. Fortan spielt Marshall Grant auf dem Kontrabass, und Luther Perkins übernimmt mit seinen rudimentären Kenntnissen die Lead-Gitarre. Auf Anraten von Scotty Moore versucht Johnny Cash auch bei SUN-Records in Memphis sein Glück. Seine Beharrlichkeit führt endlich zum Erfolg, und er erhält eine Audienz bei Sam Phillips. 



Der fordert Cash auf, seine Band mitzubringen. Trotz der Bedenken von Johnny Cash ist beim nächsten Stelldichein nach 35(!) Versuchen die A-Seite der ersten Single eingespielt: Hey, Porter!, zu einem eigen verfassten Gedicht aus Cashs Armeezeit in Landsberg. Das Resultat: Der urtypische Boom-chicka-boom-Sound mit dem perkussiven Schnarren der Rhythmusgitarre – nicht erarbeitet, sondern das Einzige, was sie konnten -, avanciert zum musikalischen Markenzeichen des ungewöhnlichen Country-Interpreten und findet überregional Beachtung.

Schon kurz darauf sind Johnny Cash und Elvis,“The Hillbilly Cat“ gemeinsam mit Carl Perkins, einem weiteren jungen Gitarristen aus dem SUN-Stall, und Wanda Jackson im Sommer 1955 auf Tour. Bei den zusätzlichen Wochenend-Auftritten für das Louisiana Hayride, eine innovative Live-Radioshow, lernt Elvis, seinen künftigen Schlagzeuger DJ Fontana kennen. Colonel Parker erkennt sofort das Potenzial des „King of Western Bop“ und ist beeindruckt von den kreischenden Reaktionen, die Elvis durch seine körperbetonten Bühnenauftritte bei den vornehmlich weiblichen Fans hervorruft. Als neuer persönlicher Manager fädelt er einen Plattenvertrag mit dem Branchenriesen RCA ein. Gleichzeitig kann das kleine SUN-Label durch den Verkauf von Elvis die Karrieren seiner neuen Stars Johnny Cash und Carl Perkins und später Jerry Lee Lewis stärker fördern. Mit Erfolg: Nach Folsom Prison Blues wird die dritte Single von Johnny Cash im Mai 1956 seine erste No. 1 in den Country-Charts: Walk the line. Die Rückseite Get Rhythm – über das Schicksal eines Schuhputzers – hatte der markante Bassbariton ursprünglich für Elvis geschrieben.


Elvis kann im Jahr seines nationalen Durchbruchs sogar vier (!) No.1-Hits platzieren: Heartbreak Hotel, Don’t be cruel, Hound Dog und Love me tender (1 Million Vorbestellungen!). Nach 11 (!) Fernsehauftritten, meist im auffälligen Beale-Street-Look, erscheint im November der erste Kinofilm von Elvis (Pulverdampf und heiße Lieder).

Und auch an Jerry Lee geht die Massenhysterie um Elvis nicht vorbei. Er liest einen Zeitungsartikel über den 21jährigen Shootingstar und fasst den Entschluss, auch Berufsmusiker zu werden. Doch in Nashville macht ihm der künftige Studiogitarrist von Elvis, Chet Atkins, unmissverständlich klar, dass Jerry Lee besser Gitarre spielen solle als Klavier. Unbeeindruckt versucht er sein Glück in Memphis, bei SUN Records in der Union Avenue 706 – mit Erfolg. Der neue Studioproduzent Jack Clement schart zwei Studiomusiker (Roland Janes – Leadgitarre und James van Eaton – Schlagzeug) um den jungen Pianisten und spielt Sam Phillips die Demoaufnahmen vor. 
Am 1.12.1956 erscheint Jerry Lees Debut-Single: End of the road/Crazy arms.

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